Erkrankungen des Enddarms
Erkrankungen des Enddarms sind ähnlich häufig wie vielfältig. Fast jeder Mensch hat zumindest einmal in seinem Leben Probleme in diesem hochsensiblen Bereich. Als Facharzt für Viszeralchirurgie bin ich mit Diagnostik und Therapie bestens vertraut. Glücklicherweise muss auch in diesem Bereich nicht immer eine invasive Therapie erfolgen. Häufig lässt sich mit milden lokalen Methoden Abhilfe schaffen.
Das Spektrum der Behandlung reicht von der diagnostischen Proktoskopie über die Behandlung von Hämorrhoiden, Analvenenthrombosen, oberflächlichen Abszessen und des Sinus pilonidalis mittels Pit-Picking.


Steißbeinfistel - Sinus pilonidalis
Die Steißbeinfistel, medizinisch als Sinus pilonidalis bezeichnet, ist eine chronische Entzündung im Bereich der Gesäßfalte oberhalb des Steißbeins. Dabei entstehen kleine entzündliche Gänge unter der Haut, die häufig durch eingewachsene Haare, Reibung und Druckbelastung verursacht werden. Besonders häufig betroffen sind junge Erwachsene sowie Menschen mit stärkerer Behaarung oder sitzender Tätigkeit.
Typische Beschwerden sind Schmerzen, Schwellungen, Rötungen oder wiederkehrende Entzündungen im Bereich des Steißbeins. Viele Patientinnen und Patienten berichten zudem über Nässen oder Sekretabsonderungen aus kleinen Hautöffnungen in der Gesäßfalte. In akuten Fällen kann sich ein schmerzhafter Abszess entwickeln.
Die Behandlung richtet sich nach Ausprägung und Befund der Erkrankung. In vielen Fällen kann heute eine moderne, schonende Therapie mittels sogenanntem Pit-Picking durchgeführt werden. Dieses minimalinvasive Verfahren eignet sich insbesondere für kleinere bis mittelgroße Befunde und ermöglicht häufig eine deutlich schnellere Erholung im Vergleich zu klassischen Operationsmethoden.
Beim Pit-Picking werden die kleinen Hautöffnungen der Fistel gezielt entfernt und die darunterliegenden entzündlichen Fistelgänge sorgfältig entfernt. Dabei sind meist keine großen Hautschnitte notwendig. Der Eingriff erfolgt ambulant und in Kurznarkose.
Ein großer Vorteil des Pit-Picking-Verfahrens liegt in der deutlich geringeren Belastung nach der Operation. Da nur kleine Wunden entstehen, sind die Schmerzen geringer und die Heilung erfolgt deutlich schneller als bei klassischen großflächigen Operationen. Auch kosmetisch entstehen in der Regel nur unauffällige Narben. Viele Betroffene können dadurch schneller in Alltag und Beruf zurückkehren.
Nach der Behandlung sind regelmäßige Wundkontrollen sowie eine sorgfältige Hygiene wichtig.
Nicht jede Steißbeinfistel eignet sich jedoch für eine minimalinvasive Therapie. Bei ausgeprägten, abszedierenden oder voroperierten Befunden kann eine andere Operationsmethode sinnvoll sein. Welche Behandlung im individuellen Fall am besten geeignet ist, besprechen wir ausführlich im persönlichen Beratungsgespräch nach sorgfältiger Untersuchung.
Hämorrhoiden
Hämorrhoiden sind natürliche Gefäßpolster im Bereich des Enddarms, die jeder Mensch besitzt. Sie tragen wesentlich zur Feinabdichtung des Afters bei und erfüllen damit eine wichtige Kontinenzfunktion. Erst wenn sich diese Gefäßpolster vergrößern oder Beschwerden verursachen, spricht man von einem Hämorrhoidalleiden.
Das Hämorrhoidalleiden wird in vier Schweregrade eingeteilt. Beim Stadium I sind die Hämorrhoiden leicht vergrößert und von außen nicht sichtbar. Dieses Stadium ist sehr häufig und findet sich in gewissem Ausmaß praktisch bei jedem Erwachsenen. Im Stadium II treten die Hämorrhoiden beim Stuhlgang oder Pressen kurz hervor, ziehen sich jedoch selbstständig wieder zurück. Im Stadium III kommt es ebenfalls zu einem Hervortreten beim Pressen oder Stuhlgang, allerdings müssen die Hämorrhoiden manuell zurückgeschoben werden. Im Stadium IV bleiben die Hämorrhoiden dauerhaft außerhalb des Afters und lassen sich nicht mehr zurückverlagern.
Typische Beschwerden eines Hämorrhoidalleidens sind hellrote Blutungen beim Stuhlgang, Juckreiz, Brennen, Nässen oder ein unangenehmes Druck- und Fremdkörpergefühl. Manche Patientinnen und Patienten berichten zudem über Schwierigkeiten bei der Analhygiene oder das Gefühl einer unvollständigen Entleerung. Schmerzen sind untypisch und treten bei Hämorrhoiden meist erst in fortgeschrittenen Stadien oder bei zusätzlichen Entzündungen auf.
Die Behandlung richtet sich nach dem individuellen Befund und dem Stadium der Erkrankung. Wir bieten Ihnen insbesondere die Sklerosierung für die Stadien I – II (selten bis III) an. Bei der Sklerosierung wird ein spezielles Medikament (Polidocanol) direkt in das vergrößerte Hämorrhoidalgewebe gespritzt. Dadurch kommt es zu einer gezielten Verkleinerung der Gefäßpolster. Der Eingriff erfolgt ambulant, dauert nur wenige Minuten und ist in der Regel nahezu schmerzfrei. Eine Betäubung ist meist nicht erforderlich.


Analvenenthrombose
Die Analvenenthrombose ist eine plötzlich auftretende, schmerzhafte Schwellung im Bereich des Afters. Umgangssprachlich wird sie häufig fälschlicherweise als „äußere Hämorrhoide“ bezeichnet, tatsächlich handelt es sich jedoch um eine Blutgerinnselbildung in einer Vene am äußeren Analrand.
Typischerweise entsteht die Analvenenthrombose sehr plötzlich innerhalb weniger Stunden. Betroffene bemerken meist einen prallen, druckschmerzhaften Knoten am After, der je nach Größe starke Beschwerden verursachen kann. Häufig werden die Schmerzen besonders beim Sitzen, beim Stuhlgang oder bei körperlicher Belastung wahrgenommen. Die Schwellung kann wenige Millimeter bis mehrere Zentimeter groß sein und wirkt oft bläulich oder livide verfärbt.
Die genaue Ursache ist nicht immer eindeutig. Begünstigt wird eine Analvenenthrombose unter anderem durch starkes Pressen beim Stuhlgang, Verstopfung, längeres Sitzen, intensive körperliche Belastung oder auch längere Reisen. In vielen Fällen tritt sie jedoch auch ohne klaren Auslöser auf.
Trotz der oft starken Beschwerden handelt es sich um eine gutartige Erkrankung. Es nicht nicht immer eine operative Therapie nötig. Kleine Analvenenthrombosen können sich innerhalb einiger Tage bis Wochen von selbst zurückbilden. Unterstützend helfen häufig entzündungshemmende Salben, Schmerztherapie, Sitzbäder sowie eine Regulierung des Stuhlgangs.
Bei ausgeprägten Schmerzen oder größeren Befunden kann eine operative Entlastung sinnvoll sein. Dabei wird die Thrombose durch einen kleinen Eingriff eröffnet und das Blutgerinnsel entfernt. Dies führt häufig unmittelbar zu einer deutlichen Schmerzlinderung. Der Eingriff erfolgt ambulant und in örtlicher Betäubung.
